Von der Straße




Jeanine hatte das Mädchen von der Straße abgeholt. Sie hatte eingekauft und war in ihrem teuren Kleid die Seine entlang gegangen. Das Mädchen saß an einer Kaimauer und spielte Gitarre. Vor ihr auf der Straße stand ein Tablett, in das Passanten manchmal Münzen warfen. Jeanines Aufmerksamkeit wurde auf die dunklen, weit geöffneten Augen gelenkt, mit denen das Mädchen sie einen Moment lang ansah. Die Weisheit der ganzen Welt schien darin verborgen zu sein. Das Mädchen hatte dunkles, glattes Haar, sie trug die üblichen Kostüme dieser Art von Hippies oder Studenten oder arbeitslosen Jugendlichen, blaue Baumwollhosen, einen Pullover und eine blaue Baumwolljacke. Jeanine vermutete, dass sie ungefähr zwanzig Jahre alt sein sollte, höchstens noch ein paar Jahre. Jeanine wurde wie von einer unsichtbaren Hand angehalten, sie hielt sich zurück und drehte sich um. Sie blieb stehen und sah das Mädchen an, das unerschütterlich auf der Gitarre klimperte.

Dann sah sie wieder auf und sah Jeanine zum zweiten Mal an. Ein leichtes Lächeln huschte über das runde, attraktive Gesicht. Jeanine wusste, dass sie eine schöne Frau war und dass viele Männer, aber zum Glück auch Mädchen, sie ansahen. Sie lächelte zurück und fragte: “Verdienst du damit deinen Lebensunterhalt?” unter Bezugnahme auf die Gitarre. “Mir geht es gut”, antwortete das Mädchen. “Lust auf einen Drink?” Jeanine lud ein. Das Mädchen stand auf und steckte die Sparbüchse in die Tasche ihrer zerfetzten Jacke. Jeanine winkte ein Taxi und gab ihre Apartmentadresse an. “Mein Name ist Germaine”, stellte sich das Mädchen vor, als sie zusammen auf dem Rücksitz saßen. “Machst du etwas anderes als das?” Fragte Jeanine. “Oh, ich lerne”, sagte Germaine, und als sie Jeanines Frage stellte, was, antwortete sie: “Oh, wie auch immer ich mich fühle.” Es klang etwas vage. Währenddessen schaute Jeanine auf die engen Jeans, in denen die Formen der festen Oberschenkel deutlich sichtbar waren. Sie sah auch den vorderen Verschluss, der unter dem Druck von Germaines rundem Bauch fast auseinandergezogen wurde. Jeanine fühlte sich schon warm, sie musste sich zurückhalten, das Mädchen zu berühren. Es könnte Germaine erschrecken und schrumpfen lassen. In Jeanines Wohnung achtete das Mädchen kaum auf die kostbaren Möbel und Gemälde. Als Jeanine fragte, was sie verwenden wolle, sagte sie: “Bier bitte.” Jeanine hoffte, dieses ungewöhnliche Getränk in ihren Kreisen auf Lager zu haben. Der große Kühlschrank enthielt tatsächlich eine Reihe von Flaschen. Jeanine sagte, dass das Mädchen sie mit dem Vornamen ansprechen sollte und dass sie sich jung fühlte, obwohl sie zweiunddreißig war. “Zweiunddreißig ist noch jung”, sagte Germaine, “ich bin zwanzig und hatte eine Freundin in den Vierzigern.” “Ein Freund?” Fragte Jeanine atemlos. Germaine nickte.

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